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Weltasche - Über das Gift an Quallenmembranen (Marie Graßhoff)

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Titel: Weltasche - Über das Gift an Quallenmembranen
Autorin: Marie Graßhoff
Verlag: Drachenmond
Print/ebook: Softcover und ebook
Preis: Print: 19,90; ebook: 4,99
Reihe: Band 2.1 der Reihe
Seitenzahl: ca. 700 Seiten (Print)
ISBN: 978-3-95991-702-5 (Print)
978-3-95991-722-3 (ebook)










Die Erde 2639. Auf der Suche nach ihrer Qualle durchquert Mara gefallene Kontinente und tote Städte.
Gemeinsam mit der Welt ist sie an ihre Grenzen geraten. Doch während sie noch um ihren Begleiter trauert, droht ihr und dem System bereits eine weitere Gefahr: Ihre Anwesenheit hat einen alten Gott geweckt, der das Gleichgewicht der Dimensionen aus den Fugen treibt.
Gebrochen vom Geist der Zeit, versucht die junge Frau, eine Welt zu retten, die ihr Recht auf Rettung schon vor Langem verspielt hat. Eine Welt, die schon immer ihren Tod wollte.
Wird es ihr gelingen? Oder wird die Zweiteilung des Universums am Ende auch sie zerbrechen?
Eine Geschichte, so komplex und so undurchschaubar, wie das Universum.

Zu Beginn möchte ich mich bedanken, da ich das Buch bei lovelybooks im Zuge einer Leserunde gewonnen habe. Ich konnte es gar nicht glauben und habe natürlich sofort angefangen zu lesen. Wie passend, dass ich gerade mein letztes Buch beendet hatte, denn für Maries Werke braucht man volle Konzentration.
Es fiel mir anfangs schwer mich zu erinnern, mit was Kernstaub geendet hatte, doch schon bald wusste ich wieder, worum es ging und konnte mich darauf einlassen. Verwirrend wurde es zum ersten Mal, als ein Kapitel mit der gleichen Jahreszahl etc. auftauchte, es um Mara ging und doch wieder nicht. Da war Mara und doch war sie nicht da, lebte plötzlich anders, glücklich, bis ihr Leben sich umdrehte und sie nicht wusste, wieso. Ich war verwirrt. War das ein Bild von ihr, wenn sie nicht der Kernstaub gewesen wäre? Aber sie war nicht von der Erde. Fragen über Fragen, zu denen sich weitere Verwirrtheit gesellte, als plötzlich Lelou (Leo) und Liesa auftauchten und auch ihre Geschichte erzählt wurde. Die Jahreszahlen verwirrten mich, waren sie doch fast alle gleich. Ich fragte mich: Muss ich jetzt wirklich vier Geschichten parallel lesen, wo doch die eine bereits kompliziert genug war? Ja, musste ich. Also hielt ich durch. Ich kämpfte mich durch jedes einzelne der langen Kapitel - und ja sie sind noch immer sehr lang, aber glücklicherweise gibt es hier hin und wieder Absätze, in denen man eine Pause machen kann - und begann irgendwann zu verstehen.
Das Gewirr aus Worten, Gefühlen, Gedanken und Zeitaltern fügte sich Stück für Stück zusammen. Wie ein Puzzle im Universum kam mit jeder Zeile ein wenig mehr Verständnis dazu. 
Klar, hin und wieder fluchte ich innerlich, weil ein Kapitel vorbei war und ich drei weitere durchlesen musste, bis ich wieder da war, wo ich erfahrne konnte, wie es weitergeht. Aber am Ende wusste ich, dass es nötig war.
Ich hatte meine Momente, in denen ich wirklich mit mir kämpfte, doch es hat sich gelohnt. Ich weiß nicht, was diese Geschichte mit mir macht, dieses Universum, das Marie erschaffen hat, aber ich glaube langsam beginne ich zu verstehen. Marie zeigt uns, wie Mara sich fühlt.
Denn obwohl es oft Kapitel gibt, in denen nichts spannendes passiert, in denen mein Herz nicht auf seine Schlagfähigkeit getestet wird, in denen mein Blutdruck nicht steigen und sinken muss, bis er außer Atem ist, so ist es doch okay. 
Es gibt oft Bücher, in denen das passiert. Die mich langweilen, mich darüber nachdenken lassen, ob ich abbreche oder nicht. Ich langweile mich schnell - warum bleibt es hier aus? 
Die Verwirrung der Jahreszahlen, das lang andauernde Nichtstun und nichts spüren beim Lesen, wenn es wieder eines dieser Kapitel ist - die Puzzleteile, die sich erst zum Ende hin langsam verbinden und mir ein Bild zeigen, all das ist Mara. All das spürt auch sie, auf die ein oder andere Art und Weise, in sich. Frust, Wut, Verwirrung, Ratlosigkeit, Unruhe, Verzweiflung, Freude, Verständnis. 
Ich glaube, ich habe Marie durchschaut. Sie weiß mit Worten zu spielen, weiß ihre Magie zu nutzen und aus simplen, einfachen und meist nichtssagenden Wörtern ein Gefühl auszulösen, unabhängig dessen, was dort geschrieben steht.
Merkt ihr, wie schwer es ist, zu erklären, wie ich mich fühle, wenn ich diese Reihe lese? Im Grunde gibt es keine Worte dafür, keine Erklärung, weil man es spüren muss. Ich kann es nicht beschreiben und Mara kann sich nicht beschreiben. Es ist eine Verbindung zwischen Protagonistin und Lesern, die entsteht.
Ich habe zu Beginn des Buches gedacht: Hmm, Kernstaub hat mir besser gefallen. 
(Später erinnerte ich mich, wie viele Anläufe ich gebraucht habe, ehe ich mich auf Kernstaub einlassen konnte)
Ich habe in der Mitte des Buches gedacht: Hmmmmm, irgendwie war Kernstaub genauso, nur noch neuer für mich.
(Später erinnerte ich mich, dass ich auch bei Kernstaub diese Momente von keineLangeweile hatte)
Ich habe am Ende des Buches gedacht: Whoa, was passiert hier. Ich will wissen, wie es weiter geht, wann kommt der neue Band?
(Ich erinnerte mich, dass mich Kernstaub am Ende so zerissen hat, wie er Mara zeriss)

Ich wollte hin und wieder eine Pause machen, einfach nicht weiter lesen, doch es ging nicht. Das Leben hat keine Pausen.

Was ich mit all diesen Worten sagen will ist, dass man sich auf diese Reihe einlassen muss, dass man sich mit voller Kraft auf dieses Universum einstellen muss und dass es okay ist, so über ein Buch zu denken und doch nicht aufhören zu können, es zu lesen. Dass dieses Buch wie das Leben ist und man den Sinn erst am Ende versteht. Denn auch im echten Leben hat man oft das Gefühl, das nichts passiert, man auf der Stelle steht und sich die Welt ohne einen dreht. Doch wenn man am Ende zurück sieht, dann erkennt man, wie viel man eigentlich erlebt hat.

Ich habe viel geschrieben über etwas, zu dem es keine Worte gibt. Man kann es nicht beschreiben. Man muss es spüren. Danke, dass ich Mara jetzt ein bisschen besser verstehen kann.


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